Drei Investment-Tipps für Vintage Uhren

Vintage und Luxusuhren sind während den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Investments geworden – da erzähle ich nichts Neues. Wer Ästhetik mit einem guten Investment kombinieren möchte ist zumindest was die vergangenen Jahre anbelangt, hier auf der richtigen Seite gewesen. Wertsteigerungen von 10% pro Jahr oder mehr bei Modellen wie der Rolex GMT-Master 16700, geringe Unterhaltskosten und ein mittlerweile sehr liquider Markt haben es einfacher gemacht mit Uhreninvestments Geld zu verdienen. Aber worauf sollte man achten, wenn man komplett neu in diesem Metier ist. Wo lauern Stolpersteine oder versteckte Chancen? In diesem ersten Artikel versuche ich Euch meine Erfahrung aus 15 Jahren Sammelleidenschaft und unter Bezugnahme der heutigen Marktsituation aufzuzeigen:

1. Kaufe immer den Verkäufer und nicht nur die Uhr

Vertrauen in den Gegenüber ist die Grundlage jeden Geschäfts. Umso mehr, wenn es darum geht, mehrere Tausend oder in manchen Fällen sogar Zehntausende von Euro in eine Uhr zu investieren. Die Fallstricke bei Vintageuhren sind so vielfältig, dass es immens wichtig ist, dass ihr jemanden habt dem Ihr Vertraut und der sich auskennt. Wie unterscheide ich eine originale Submariner Date „Kermit“ (Ref.16610LV) von einer normalen Submariner Date (Ref.16610) bei der nachträglich eine grüne Lünetteneinlage eingepasst wurde? (Die vergrößerten Indexe sind ein Hinweis 😉) Wurden bei einem Service neue Teile verbaut und ggfs. das ein Servicezifferblatt eingebaut? Jemanden zu haben, der Euch über diese Fallen lotst und wahrheitsgetreue Angaben macht, ist in der Vintage-Uhrenwelt Gold wert. Umso mehr, wenn ihr die Uhren online kauft und sie zuvor selbst nicht in Augenschein nehmen könnt. Schon allein die Tatsache wie viele vermeintlich „Ungetragenen oder sehr gutem Zustand“ Vintage GMT-Master auf den einschlägigen Plattformen angeboten werden, machen einen stutzig. Es ist einfach schlicht nicht möglich, dass 50% der vor 30 Jahren verkauften Uhren noch nie getragen wurden oder so perfekt aussehen. Fast immer ist es dann der Fall, dass die Uhren glattpoliert wurden wie ein Pavian-Hintern und dadurch eben nicht mehr sehr gut sind, sondern aus Werterhaltungssicht mangelhaft. Gebt lieber ein wenig mehr Geld aus bei einem Händler, dem Ihr vertraut als bei jemandem der ein vermeintliches Schnäppchen hat. Wir selbst versuchen durch unsere Persönliche Online-Beratungen, wo Ihr die Uhr im Chat begutachten könnt, ein persönliches Telefongespräch sowie unbearbeitete Produktfotos, auf denen der Zustand realitätsgetreu gezeigt wird, genau das zu bieten. Daher, wenn ein Angebot zu gut ist um wahr zu sein, ist es meisten nicht wahr.

2. Condition is King

Jede Uhr, egal ob Vintage oder neue Luxusuhr hat einen besseren Werterhalt bzw. ein evtl. zukünftig besseres Wertsteigerungspotential je mehr vom ursprünglichen Lieferumfang, wie Box, Garantiepapiere, Bedienungsanleitung, Hang-Tags, Etuis, Servicepapiere etc. vorhanden sind. Sie können uns Auskunft über die Provenienz, den allgemeinen Zustand (Servicepapiere) und Originalität der Uhr geben. Jedoch gibt es mehrere Punkte wieso ich selbst nicht immer diesen Wert auf Papiere und Full-Set lege. Wie jeder weiß, werden Uhren seit langem gefälscht und das teilweise auch immer besser. Durch die überproportionale Wertsteigerungen der letzten Jahre von Uhren im „Full-Set“ im Vergleich zur „nackten“ Uhr haben sich professionelle Fälscher nun auch massiv im Bereich Papiere, Boxen etc. breit gemacht. Wie sich jeder vorstellen kann, ist es schwieriger eine komplette Uhr zu fälschen - vor allem Vintage Modelle. Um ein Vielfaches einfacher ist es jedoch alte gestempelte Papiere, Aufkleber oder Hang-Tags zu fälschen. Oftmals werden auch originale Uhren mit nachträglich angefertigten Papieren verkauft bzw. originale Unterlagen aus unterschiedlichen Zeiträumen zusammengekauft um ein Full-Set mit entsprechend höherem Preis zu bekommen. Damit geht der o.g. Zweck der Papiere zur Beurteilung der Provenienz und der Originalität der Uhr verloren. Zudem wurden Papiere und Boxen früher auch nicht so pfleglich behandelt wie heute, da die Uhr an sich das Schmuckstück war und den Lieferumfängen keinen großen Wert beigemessen wurde. Daher werdet ihr nicht allzu oft echte Full-Sets bei Uhren die 20 Jahre oder älter sind finden. Oftmals wurden diese damals entweder direkt weggeworfen, beim Juwelier liegen gelassen, oder über die Jahre einfach verloren. Das hat sich mit der Entwicklung von Uhren als Investment verändert und selbst kleinste Lieferumfänge werden pfleglichst behandelt.

Von daher immer: Condition is king!

3. Erst Blue Chips, dann Komplikationen und Fancy

Wenn ihr Euch dazu entscheidet Uhren nicht nur aus ästhetischen Gründen zu kaufen, sondern auch als Investition anseht, fokussiert euch am Anfang auf die Vintage und Young-Timer „Blue Chips“. Also Marken/Referenzen die seit Jahren solide und verlässliche Renditen einfahren und nicht mehr zur aktuellen Kollektion gehören. Je nach Budget fallen Modelle wie die Datejust oder Day-Date Linie mit selten Zifferblattvarianten, Daytonas mit Zenith Uhrwerk, Nautlius oder Aquanaut von Patek Philippe Stahl oder Jumbo Modelle der Royal Oak Linie von Audemars Piguet darunter. Der Markt für diese Modelle ist seit Jahrzehnten überaus liquide und die Gefahr etwaiger Preisstürze durch eine Überproduktion ist nicht mehr vorhanden.

Sobald ihr eine Grundlage an Blue Chips Uhren habt, könnt ihr den Einsatz erhöhen und Uhren mit Komplikationen oder sehr ausgefallene Modelle mit reinnehmen.

Natürlich gibt es noch weitere Tipps die ihr beachten könnt, wenn ihr Euer Geld in Vintage Uhren anlegt, aber mit diesen drei Grundsätzen, die ich auch selbst immer im Kopf habe, fahrt ihr schon einmal sehr gut. Bei weiteren Fragen zum Thema Vintage Uhren allgemein oder zu unseren Produkten, schreibt uns einfach an atelier@artisansoftime.com oder eine whatsapp an 0176/41663304.

Euer AoT-Team

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